Shell Cordovan ist eines der seltensten Leder der Welt: ein porenloses Pferdeleder mit einem Spiegelglanz, der von innen kommt und sich nicht abnutzt. Es wird aus einer schmalen, dichten Schicht am Hinterteil des Pferdes gewonnen, knickt nicht in scharfe Falten, sondern legt sich in weiche Wellen, und altert besser, je länger man es trägt. Weltweit stellt es nur eine Handvoll Gerbereien her, die bekanntesten sind Horween, Shinki und Rocado.
Was ist Shell Cordovan?
Shell Cordovan ist kein gewöhnliches Oberhaut-Leder. Es stammt aus dem «Shell», einer dichten Faserschicht aus Bindegewebe am Hinterteil des Pferdes. Diese Schicht liegt unter der eigentlichen Haut und wird erst sichtbar, wenn die Narbenseite abgespalten wird. Sie hat keine sichtbaren Poren und keine Narbung. Genau das gibt Cordovan seine glatte, fast spiegelnde Oberfläche, von innen heraus, nicht durch eine aufgetragene Schicht. Unter Lederkennern gilt es darum als «König der Häute».
Das Besondere ist die Ausbeute: Aus einem Pferd lassen sich nur zwei dieser ovalen Shells gewinnen, jede kaum grösser als ein Blatt Papier. Mehr gibt eine Haut nicht her. Und weil es sich um eine dichte Membran und nicht um normale Haut handelt, lässt sich Shell Cordovan auch nicht spalten wie Rindsleder. Was du in der Hand hältst, ist die ganze Schicht, so wie sie gewachsen ist.
Woher kommt der Name Shell Cordovan?
Der Name geht zurück auf die spanische Stadt Cordoba, im Mittelalter ein Zentrum der maurischen Lederkunst. «Cordovan» heisst schlicht «aus Cordoba». Wie eng das mit dem Handwerk verbunden ist, zeigt ein zweites Wort: Im Englischen heisst der Schuhmacher bis heute «cordwainer», abgeleitet vom selben Cordoba-Leder.
Spannend ist, dass das ursprüngliche Cordovan gar nicht vom Pferd kam, sondern von Ziege und Schaf. Erst später, als feine Schuhe das wertvollste Einsatzgebiet wurden, verschob sich der Begriff auf die dichte Faserschicht der Pferdekruppe, das, was wir heute Shell Cordovan nennen. Aus einem maurischen Feinleder wurde so über Jahrhunderte das seltenste Schuh- und Lederwaren-Material der Welt.
Warum ist Shell Cordovan so selten und teuer?
Die Knappheit erklärt den Preis. Nur die Kruppe liefert Shell, nur zwei kleine Stücke pro Pferd, und viele Häute fallen schon vorher aus, weil eine einzige Narbe die winzige nutzbare Fläche unbrauchbar macht. Dazu kommt: Pferdehäute sind ein Nebenprodukt, das Volumen ist von Natur aus klein und schwankt. Flächenmässig ist Shell Cordovan damit ein Vielfaches seltener als Rindsleder.
Dann die Zeit. Cordovan wird rein pflanzlich gegerbt, ein Prozess von mindestens sechs Monaten, grossteils in Handarbeit: Wochen in pflanzlichen Gerbgruben, langes Einarbeiten von Ölen und Wachsen, das Freilegen der Shell von Hand, am Ende das Polieren. Knappheit, Ausschuss und Monate an Handarbeit, daraus entsteht der Preis. Es ist kein Aufschlag auf ein Logo, sondern auf ein Material, das es so kaum gibt.
Wie entsteht der Spiegelglanz, und wie altert das Leder?
Der Spiegelglanz ist kein Lack. Anders als Lackleder, das einen Kunststofffilm trägt, wird der Glanz von Cordovan mechanisch entwickelt: Die Oberfläche wird mit einem Glaswerkzeug unter Druck immer wieder geglättet, bis sie spiegelt. Deshalb hält er, statt abzublättern.
Beim Tragen zeigt sich das zweite Markenzeichen: Cordovan knickt nicht in scharfe Falten wie Kalbsleder, sondern legt sich in weiche Wellen. Die dichte Faserstruktur biegt sich, statt zu brechen. Mit den Jahren dunkelt das Leder nach und bekommt eine eigene Patina, einen Farbverlauf mit Tiefe. Kleine Gebrauchsspuren verschwinden mit der Zeit fast von selbst. Ein gutes Stück Shell Cordovan sieht nach Jahren besser aus als am ersten Tag.
Die berühmtesten Shell-Cordovan-Gerbereien der Welt
Echtes Shell Cordovan stellen weltweit nur eine Handvoll Gerbereien her. Drei prägen den Markt, jede mit eigener Handschrift. Eine Rangliste gibt es nicht, eher drei eigenständige Schulen.
Horween (Chicago, USA), gegründet 1905. Der lang etablierte Massstab, ein Familienbetrieb in fünfter Generation und die grösste durchgehende Shell-Produktion der Welt. Ikonisch ist Horweens Farbe «#8», ein tiefes Burgund. Horween ist auch für seine kräftigen Pull-up-Leder bekannt, die wir bei oldpassion für unsere Gürtel einsetzen. Mehr dazu im Horween-Beitrag.
Shinki Hikaku (Himeji, Japan), gegründet 1951. Die einzige Gerberei der Welt, die ausschliesslich Pferdeleder verarbeitet, mit einem eigenen Park an Holzgruben. In Japan und unter Schuhmachern ist Shinki-Cordovan hoch angesehen, bekannt für seine besonders gleichmässige, tiefe Oberfläche.
Rocado (Toskana, Italien), gegründet 1982. Der europäische Pionier, gegründet von Dorota Gulbicki mit ihren Kindern Roberto und Caterina, daher der Name Roberto, Caterina, Dorota. Rocado hat echtes Cordovan in Europa bekannt gemacht. Und es ist genau das Leder, das in unserem bur(r)ito steckt.
Dazu kommen einige wenige weitere Häuser, vor allem in Italien, etwa Comipel und Maryam. Der Kreis bleibt klein: Echtes Shell Cordovan ist auch deshalb so selten, weil kaum jemand es überhaupt herstellt.
Wie pflegst du Shell Cordovan?
Shell Cordovan braucht wenig, aber das Richtige. Das Wichtigste ist regelmässiges Bürsten mit einer weichen Bürste, das allein bringt den Glanz zurück. Einen Wasserrand polierst du mit einem trockenen, weichen Tuch sanft aus. Und ein- bis zweimal im Jahr arbeitest du eine hauchdünne Schicht Marbee All Natural Leather Balm ein.
Hier gilt: weniger ist mehr. Zu viel Fett quillt die Fasern auf und stumpft den Glanz ab. Finger weg von Schuhcreme für normales Glattleder, scharfen Reinigern und Hitze wie Föhn oder Heizung. Die ausführliche Anleitung steht im Rocado-Beitrag.
Shell Cordovan bei oldpassion
Wir setzen Shell Cordovan gezielt für ein Stück ein, das bleiben soll: den Shell Cordovan bur(r)ito, einen minimalistischen Kartenhalter. Das Leder kommt von Rocado aus der Toskana, verarbeitet wird es von Hand im Schweizer Vollzug, from prison with love! Warum wir gerade dieses Leder gewählt haben, liest du im Beitrag Warum wir auf Shell Cordovan setzen.
Der minimalistische Kartenhalter aus Rocado Shell Cordovan. Drei Fächer, Sattlerstich von Hand, im Schweizer Vollzug gefertigt.
Häufige Fragen zu Shell Cordovan
Aus welchem Tier wird Shell Cordovan gewonnen?
Aus dem Pferd. Genauer aus dem «Shell», einer schmalen, dichten Faserschicht aus Bindegewebe am Hinterteil. Pro Pferd lassen sich nur zwei ovale Shells gewinnen, jede etwa so gross wie ein Blatt Papier. Diese winzige Ausbeute macht das Leder so selten.
Woher kommt der Name Cordovan?
Von der spanischen Stadt Cordoba, im Mittelalter ein Zentrum der maurischen Lederkunst. «Cordovan» bedeutet «aus Cordoba». Auch das englische Wort für Schuhmacher, «cordwainer», leitet sich davon ab. Ursprünglich war Cordovan ein Ziegen- und Schafleder, erst später verschob sich der Begriff auf das Pferde-Shell.
Warum ist Cordovan-Leder so teuer?
Weil nur zwei kleine Shells pro Pferd nutzbar sind, viele Häute durch Narben schon vorab ausfallen und die rein pflanzliche Gerbung mindestens sechs Monate dauert, grossteils von Hand. Cordovan lässt sich zudem nicht wie Rindsleder spalten. Knappheit, Zeit und Handwerk ergeben den Preis.
Bekommt Shell Cordovan Knickfalten?
Nein, nicht wie Kalbsleder. Weil die Faserstruktur dicht und porenlos ist, knickt Shell Cordovan nicht scharf, sondern legt sich beim Tragen in weiche Wellen und Rollen. Das schont die Oberfläche und gehört zum Charakter, es ist kein Mangel.
Welche Gerberei macht das beste Shell Cordovan?
Weltweit gibt es nur wenige grosse: Horween (USA, gegründet 1905), Shinki Hikaku (Japan, 1951) und Rocado (Italien, 1982), dazu einige italienische Häuser wie Comipel und Maryam. Eine Rangliste gibt es nicht. Horween ist der lang etablierte Massstab, Shinki die reine Pferdeleder-Gerberei, Rocado der europäische Pionier. Alle gehören zur Spitze.
Wie pflegst du Shell Cordovan?
Vor allem mit einer weichen Bürste, das bringt den Glanz zurück. Wasserränder polierst du mit einem trockenen Tuch aus. Ein- bis zweimal im Jahr eine hauchdünne Schicht Marbee einarbeiten, mehr nicht. Zu viel Fett, scharfe Reiniger und Hitze schaden dem Leder.
Shell Cordovan, das du selbst tragen kannst
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